Im Gespräch mit Robert Amlung, Senior Innovation Advisor beim ZDF

Robert Amlung ist Senior Innovation Advisor beim ZDF – und einer der wenigen Menschen, die höchste journalistische Medienkompetenz mit einem tiefen technischen Verständnis für IT, Digitalisierung und KI verbinden. Genau diese Verbindung fasziniert mich. Robert und ich kennen uns seit Herbst 1975 aus der Schulzeit – über 50 Jahre. Bei einem außerplanmäßigen Klassentreffen in Frankfurt kamen wir ins Gespräch, und seine Perspektiven haben mich so gepackt, dass daraus dieses Interview für meine Serie „KI und Engagement“ wurde.
Robert beschreibt KI als grundlegende Kulturtechnik – so selbstverständlich wie Lesen und Schreiben. Und doch bremst er den Hype: Die Veränderung geht langsamer, als viele glauben. Der begrenzende Faktor ist nicht die Technik, sondern das menschliche Lernen in Gruppen – und genau das verschafft uns die Zeit, die Entwicklung zu verdauen.
Beim ZDF ist KI längst Alltag: Im Public Spaces Incubator sortiert sie Hasskommentare aus und führt Debatten als Automoderator zum Thema zurück – Arbeit, die von Hand nicht zu leisten wäre. Zugleich ist Robert ehrlich über die Grenzen: Halluzinationen bleiben ein Thema, jedes Ergebnis muss geprüft werden. Seine Haltung: erst die Prozesse sauber strukturieren, dann automatisieren.
Der für mich stärkste Gedanke: Maschinen- und menschliche Intelligenz sind kategorisch verschieden. Der Input einer KI sind ihre Trainingsdaten – der des Menschen ist ungleich reicher, weil wir mit dem ganzen Körper denken, nicht nur mit dem Gehirn. Deshalb bleiben Kreativität, Urteilskraft und Gespür für Menschen unsere ureigene Stärke.
Daraus folgt seine klare Antwort auf eine Frage, die mich besonders umtreibt: Kann KI Kollege oder Führungskraft sein? Nein. Eine Maschinenintelligenz ist ein Werkzeug, kein Kollege – und von hybriden Teams mit KI-Führungskräften rät er entschieden ab. Der Faktenteil von Führung sei der kleinste; schwierig werde sie durch das Emotionale. Genau hier liegt die Brücke zum Engagement: Emotionale Verbundenheit braucht Menschen. KI kann entlasten und Freiraum schaffen – die emotionale Führung aber muss ein Mensch übernehmen.
Wir sprechen auch über die Angst vieler Menschen und den beginnenden Backlash gegen den KI-Hype. Roberts Rat für mein Buch ist mir besonders wertvoll: nicht dem Hype hinterherlaufen, sondern eine eigene Haltung aus eigener Erfahrung entwickeln. Denn das spannendste Thema ist am Ende nicht die Technik, sondern die Wechselwirkung zwischen KI und Mensch. Ein wohltuend unaufgeregter Gegenpol im lauten KI-Diskurs – ich freue mich auf Ihre Rückmeldung!